Patientensicherheit beginnt bei der Information
Medikamentöse Therapien sind ein zentraler Bestandteil moderner Medizin – und zugleich ein sensibler Bereich, in dem jede Entscheidung weitreichende Folgen haben kann. Ärzt:innen und Pharmazeut:innen stehen dabei täglich vor der Aufgabe, komplexe Informationen zu bewerten, therapeutische Optionen abzuwägen und Risiken realistisch einzuschätzen. Doch was, wenn die Informationsbasis lückenhaft ist?
Wenn Information zur Schwachstelle wird
Viele Fachinformationen, die medizinisches Personal im Praxisalltag erreichen, stammen aus industrienahen Quellen: Fachanzeigen, Außendienstgespräche, Kongressmaterialien. Diese sind formal korrekt. Doch Nebenwirkungen, Kontraindikationen, Limitierungen von Studienergebnissen oder alternative Therapieoptionen bleiben oft unterrepräsentiert. Die Darstellung konzentriert sich auf Wirksamkeit, Verträglichkeit und Vorteile des jeweiligen Präparats – ein nachvollziehbarer Fokus aus Marketingsicht, aber problematisch für die klinische Entscheidungsfindung.
Die Folge: Ärzt:innen und Pharmazeut:innen müssen sich die fehlenden Informationen mühsam aus anderen Quellen zusammensuchen – sofern sie überhaupt merken, dass etwas fehlt. In der klinischen Praxis, unter Zeitdruck und Versorgungsverantwortung, ist das ein reales Risiko.
Rechtlich gedeckt – praktisch problematisch
Zwar regeln nationale Gesetze (z. B. das österreichische AMG oder das deutsche HWG) sowie internationale Kodizes (wie EFPIA oder FSA) die Anforderungen an Arzneimittelkommunikation: Sie soll sachlich, ausgewogen und nicht irreführend sein. Doch diese Begriffe lassen Interpretationsspielraum. Solange alle Aussagen für sich genommen korrekt sind, gelten selbst einseitige Darstellungen als zulässig – auch wenn sie den klinischen Kontext verzerren oder wichtige Risikoinformationen weglassen.
Das Ergebnis: formale Korrektheit trifft auf inhaltliche Schlagseite. Und damit auf ein wachsendes Problem für die Patientensicherheit.
Wissen statt Wirkung: ein neuer Ansatz
Patientensicherheit beginnt nicht erst bei der Verordnung eines Medikaments, sondern bei der Qualität der zugrundeliegenden Information. Nur wer fundiert, vollständig und differenziert informiert ist, kann therapeutische Entscheidungen verantwortungsvoll treffen.
MEDCH setzt genau an diesem Punkt an. Als digitale Lernplattform bietet MEDCH fallbasierte, interaktive Module zu aktuellen Arzneimitteln und klinisch relevanten Fragestellungen. Ärzt:innen und Pharmazeut:innen trainieren reale Entscheidungssituationen – evidenzbasiert, komprimiert und direkt im Kontext ihres Arbeitsalltags. Die Inhalte sind didaktisch aufbereitet, unabhängig in ihrer Struktur und akkreditiert als Fortbildung (DFP, AFP).
Fazit: Verantwortung braucht Formate
Verantwortungsvolle Pharmakommunikation muss mehr leisten als formale Korrektheit. Sie muss Wissen vermitteln, Orientierung bieten und klinisch handhabbar sein. MEDCH versteht sich als Partner für eine solche Kommunikation – nicht als Werbekanal, sondern als Werkzeug für mehr Arzneimittelsicherheit und mehr Vertrauen in die Therapieentscheidung.
Quellenverzeichnis:
1. Lexchin, J., & Holbrook, A. (1994). Academic versus non-academic detailing: A randomized controlled trial. Medical Care, 32(1), 95–103.
→ Zeigt, dass Industrieinformationen seltener Nebenwirkungen und kritische Studiendaten beinhalten als unabhängige Informationsquellen.
2. Villanueva, P. et al. (2003). Accuracy of pharmaceutical advertisements in medical journals. The Lancet, 361(9351), 27–32.
→ Internationale Analyse zur unvollständigen Darstellung von Risiken und Nutzen in Fachanzeigen.
3. Frosch, D. L., et al. (2007). Creating demand for prescription drugs: A content analysis of television direct-to-consumer advertising. Annals of Family Medicine, 5(1), 6–13.
→ Belegt die Fokussierung auf positive Aspekte in der Laienwerbung – mit Parallelen zur Fachkommunikation.
4. Schwabe, U., & Paffrath, D. (Hrsg.) (2020). Arzneiverordnungs-Report 2020. Springer.
→ Enthält Daten zur Werbepraxis und zum Informationsverhalten von Ärzt:innen.
5. EFPIA Code of Practice (2021). European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations.
→ Legt Kommunikationsstandards für Mitgliedsunternehmen fest, u. a. zur Sachlichkeit und Transparenz.
6. §6 Arzneimittelgesetz (AMG, Österreich)
→ Regelt Informationspflichten bei der Arzneimittelwerbung in Österreich.
7. §3 Heilmittelwerbegesetz (HWG, Deutschland)
→ Verbietet irreführende Werbung und schreibt sachliche Information vor.
8. MEDCH-interne Recherchen (2024–2025)
→ Evaluation von Außendienstmaterialien und Fachanzeigen im Rahmen der Produktentwicklung.