Amyloid-Antikörper verlangsamt Krankheitsprogression bei früher Alzheimer-Erkrankung

09.04.2026

Mit Lecanemab (Leqembi) steht ein monoklonaler Antikörper zur Verfügung, der bei Patient:innen mit früher Alzheimer-Erkrankung eine messbare Verlangsamung der klinischen Krankheitsprogression gezeigt hat. Der Wirkstoff bindet lösliche und aggregierte Formen von Amyloid-Beta und reduziert dadurch die Amyloidablagerungen im Gehirn.

Indikation und therapeutischer Ansatz

In der EU ist Lecanemab seit 2025 zur Behandlung erwachsener Patient:innen mit früher Alzheimer-Erkrankung zugelassen, sofern eine Amyloid-Pathologie gesichert ist und höchstens eine Kopie der ApoE-ε4-Genvariante vorliegt. Im Unterschied zu den etablierten antidementiven Pharmakotherapeutika wie Acetylcholinesterasehemmern und Memantin, die rein symptomatisch wirken, verfolgt Lecanemab einen krankheitsmodifizierenden Ansatz.

Zulassungsstudie: CLARITY AD

Die Zulassung basiert auf der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie CLARITY AD in die rund 1.800 Patient:innen im Alter von 50 bis 90 Jahren mit früher Alzheimer-Erkrankung und bestätigter Amyloid-Pathologie eingeschlossen waren. Der primäre Endpunkt war die Veränderung eines Demenz-Scores (CDR-SB), welcher Kognition und Alltagsfunktion anhand verschiedener Domänen abbildet. Nach 18 Monaten, in denen die Patienten alle zwei Wochen 10 mg Lecanemab/kg KG i.v. oder Placebo erhielten, stieg der Score von durchschnittlich ca. 3,2 Punkten zu Studienbeginn unter Lecanemab um 0,45 Punkte weniger stark an als unter Placebo. Dies spricht für eine Verlangsamung der Krankheitsprogression, die Effektstärke wird allgemein aber als klein eingestuft.

Sicherheit und Monitoring

Zum spezifischen Nebenwirkungsprofil des Wirkstoffs gehören amyloidassoziierte Bildgebungsanomalien (ARIA), die sehr häufig auftreten. Dabei wird zwischen ARIA mit Hirnödem (ARIA-E) und ARIA mit Hämosiderinablagerungen oder Blutungen (ARIA-H) unterschieden. Die Mehrzahl dieser Befunde bleibt asymptomatisch oder mild, symptomatische Verläufe mit neurologischen Beschwerden sind jedoch beschrieben und können eine Therapieunterbrechung oder einen Behandlungsabbruch erforderlich machen.

Das Risiko für das Auftreten von ARIA-Ereignissen ist auch von der genetischen Konstitution abhängig. Bei Träger:innen des ApoE-ε4-Allels, insbesondere bei Homozygoten, treten ARIA häufiger und teils schwerer auf. Aus diesem Grund ist die EU-Zulassung auf jene Patient:innen beschränkt, die keine oder nur eine ApoE-ε4-Genkopie tragen. Außerdem ist ein verpflichtendes MRT-Monitoring integraler Bestandteil der Therapie, mit einer MRT-Untersuchung des Gehirns vor Therapiebeginn sowie mehreren Kontrollen im frühen Behandlungsverlauf.

Zu beachten ist außerdem, dass Patient:innen bei der ersten Verabreichung von Lecanemab auf Anzeichen infusionsbedingter Reaktionen zu überwachen sind. Diese Reaktionen kommen häufig vor, sind aber meist leicht bis moderat.

Nutzenbewertung und Einordnung
In der deutschen frühen Nutzenbewertung kommt das IQWiG zu dem Ergebnis, dass für Lecanemab kein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie belegt ist. Damit bleibt eine zentrale Spannung bestehen, ein hoher Innovationswert bei gleichzeitig begrenzter Effektstärke und großem organisatorischem Aufwand in der Versorgung.

Quellen (Literaturverzeichnis)

  1. arznei-telegramm. (2025). Lecanemab (Leqembi) bei früher Alzheimer-Erkrankung. Retrieved from www . arznei-telegramm . com / de / 6443 / lecanemab-leqembi-bei-frueher-alzheimer-erkrankung

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