Ein neuer therapeutischer Ansatz setzt früh im Krankheitsverlauf ein und verlangsamt den Übergang vom präklinischen zum manifesten Typ-1-Diabetes durch Immunmodulation. Im Januar 2026 wurde der Anti-CD3-Antikörper Teplizumab in der EU zugelassen.
Zielpopulation und Wirkprinzip
Teplizumab ist indiziert bei Erwachsenen und Kindern ab 8 Jahren mit Typ-1-Diabetes im Stadium 2, einer präklinischen Phase mit multiplen Inselzell-Autoantikörpern und gestörter Glukosetoleranz, jedoch noch ohne klinische Symptome oder Insulinpflicht. Der Wirkstoff blockiert autoreaktive T-Zellen, um die fortschreitende Zerstörung der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse zu verlangsamen. Therapeutisches Ziel ist es, die endogene Insulinsekretion möglichst lange zu erhalten und somit die klinische Manifestation der Erkrankung zu verzögern.
Zulassungsstudie: Ergebnisse und Sicherheit
Grundlage der Zulassungsempfehlung ist die doppelblinde, randomisierte und placebokontrollierte Phase-2-Studie TN-10. Eingeschlossen waren 76 Patient:innen mit Typ-1-Diabetes im Stadium 2. Eine einmalige 14-tägige Serie täglicher intravenöser Infusionen verzögerte den Übergang zum Stadium 3. Unter Placebo trat dieser im Median nach 24,4 Monaten ein, unter Teplizumab nach 48,4 Monaten.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten reversible Lymphopenie, Exantheme und Kopfschmerzen. Bei 2 % der Probanden trat ein Zytokinfreisetzungssyndrom auf. Die Datenlage zu wiederholten Gaben sowie zur Langzeitwirksamkeit in einer breiteren Population ist bislang begrenzt.
Versorgungsperspektive in Österreich
Rund 30.000 Menschen leben in Österreich mit Typ 1 Diabetes. Wie viele sich im präklinischen Stadium befinden ist unbekannt. Das ist der entscheidende limitierende Faktor für den Einsatz von Teplizumab. Die Anwendung erfordert ein aktives Screening asymptomatischer Risikopersonen. Derzeit laufen Pilotprojekte, ein flächendeckendes Programm gibt es bisher nicht.
Quellen:
Herold, K. C., Bundy, B. N., Long, S. A., Bluestone, J. A., DiMeglio, L. A., Dufort, M. J., ... & Greenbaum, C. J. (2019). An anti-CD3 antibody, teplizumab, in relatives at risk for type 1 diabetes. New England Journal of Medicine, 381(7), 603–613. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1902226
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