Wenn Immuntherapien an Grenzen stoßen: Antigen-unabhängig weiterdenken.

15.06.2026

Die Therapie des rezidivierten/refraktären Multiplen Myeloms (RRMM) wird mit fortschreitender Erkrankung zunehmend komplexer. Viele Patienten werden triple-class-refraktär und bewährte Therapien verlieren oft an Effektivität und Verträglichkeit, welches sich häufig negativ auf die Lebensqualität auswirkt. Zudem erschweren Faktoren wie Antigenverlust, die Erschöpfung von T-Zellen sowie komplexe Fragen zur Therapiesequenzierung die weitere Behandlung nach Immuntherapien. Dadurch stehen viele Patienten ohne eindeutig geeignete Anschlussstrategie da. Vor diesem Hintergrund gewinnen immununabhängige Ansätze, beispielsweise mit Melflufen, zunehmend an Bedeutung.

Melflufen ist ein Peptide-Drug-Konjugat (PDC), das schnell und selektiv zytotoxische Wirkstoffe in Tumorzellen freisetzt – unabhängig von Antigenen wie BCMA oder GPRC5D.[2-5] Melflufen (Melphalanflufenamid, Pepaxti®), wurde im Juli 2025 in die EHA‑EMN‑Leitlinien aufgenommen und wird dort für stark vorbehandelte, triple‑class‑refraktäre Patienten mit Empfehlungsgrad B und Evidenzklasse 1 empfohlen [1].

Die klinisch relevante Wirksamkeit von Melflufen wurde durch die klinischen Studien HORIZON (Phase 2) und OCEAN (Phase 3) bei stark vorbehandelten RRMM-Patienten gezeigt [2, 3]. In der OCEAN-Studie wurde Melflufen + Dex (MfDex) vs. Pomalidomid + Dex (PomDex) bei 495 Patienten mit RRMM untersucht. Die Patienten (ohne vorherige ASCT oder mit mindestens 3-jährigem Ansprechen nach erhaltener ASCT) hatten einen klinisch bedeutsamen, signifikanten Vorteil zugunsten von MfDex im PFS von 9,3 vs. 4,6 Monaten (HR 0,58; 95%-KI: 0,44-0,76 [3]. Patienten mit Hochrisiko-Zytogenetik (del(17p)/TP53- Mutationen) profitierten ebenso von der Melflufen-Therapie.

Internationale, unabhängige Real‑World‑Daten bestätigen eindrucksvoll die Wirksamkeit und ein handhabbares, überwiegend hämatologisches Sicherheitsprofil von Melflufen[6–9]. In Italien erreichte eine stark vorbehandelte Patientengruppe (n = 17) eine ORR von 41 % mit einer medianen Ansprechdauer bei Respondern von 9 Monaten, unabhängig von vorheriger BCMA-Exposition.[9]

Als immuntherapieunabhängiger Ansatz könnte Melflufen vor als auch nach einer Immuntherapien sowie als Bridging bzw. Erhaltungstherapie zwischen Immuntherapien, sowie zur Tumorreduktion (Debulking) vor der ersten Immuntherapie als auch zur Überbrückung zwischen immuntherapeutischen Ansätzen eingesetzt werden.

Literatur:
1 Dimopoulos MA et al.: Nat Rev Clin Oncol 2025;2:680–700
2 Richardson PG, et al. J Clin Oncol. 2021;39(7):757-767
3 Schjesvold FH, et al. Lancet Haematol. 2022;9:e98–110
4 Dimopoulos MA, et al. Nat Rev Clin Oncol. 2025; 22(9):680-700
5 Lee H et al., Blood 2024; 144(25):2637-2651
6 Martínez-Campuzano D, et al. Poster PA-493, presented at IMS 17-20 Sep 2025
7 Hossain S et al. Eur J Haematol. 2025; 114(6): 982-989.
8 Giunta G et al. European Myeloma Network (EMN) Meeting, P61, 10-12 Apr 2025.
9 Mancuso K et al. 2026, European Journal of Haematology (2026): 1–9.

PRO-AT—2600014, v.1.0, Mai 2026

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